Leuchtturmbericht: Interreligiöser Dialog

26.10.2021

Die Reihe „Leuchtturmbericht“ stelt Hintergründe & Projektträger vor:

Welchen Beitrag können die großen Weltreligionen zu einer friedlichen, gerechten, vielfältigen Gesellschaft leisten? Dieser Frage gehen deutsche und französische Vertreterinnen der evangelischen und katholischen Kirche, des Judentums und des Islams auf den Grund. Festgehalten wird die Begegnung mit einem Dokumentarfilm.

 

Übersicht:


Projektsteckbrief

build Projektträger: Deutscher Koordinierungsrat
group Projektpartner: Musée Jeanne d'Albret
event Zeitraum: 1. Oktober - 31. Dezember 2021
pin_drop Ort: Orion (Nouvelle-Aquitaine)
euro Fördersumme: 63.000 €

 

Teil 1: Interview „Hintergrund“

1 - Mit Ihrem Projekt möchten Sie einen Beitrag zum friedlichen Miteinander in unseren Gesellschaften leisten. Wodurch sehen Sie den gesellschaftlichen Frieden bedroht?

Wir durchleben Krisenzeiten auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen. Unwissenheit und Unsicherheit führen mitunter zu der Verbreitung von Verschwörungstheorien und Orientierungslosigkeit. Blinder Populismus und unüberlegte Schwarz-Weiß-Malerei sind die Folge. Die Informationsflut gerade der sozialen Medien schüren Vorurteile, Hass und Gewalt. Auf der einen Seite sehen wir Massenaufläufe, auf der anderen Vereinzelung.

Statt eines kritischen, demokratischen Diskurses, der vernünftig und verantwortungsbewusst geführt wird, sehen wir eine gespaltene Gesellschaft, die sich gegenseitig die Schuld zuweist.

 

2 - Welchen Beitrag können bzw. müssen Religionen hier leisten?

Da Religionsgemeinschaften selbst häufig Teil des Problems sind, müssen sie verstärkt gemeinsam auftreten und durch lebendigen Austausch immer wieder sichtbare Zeichen der Verbundenheit setzen.

Sie müssen Vorbild sein für eine demokratische Gesellschaft, die Andersdenkende und Andersgläubige nicht ausschließt, sondern mit Respekt behandelt.

Einerseits ist es ihre Aufgabe zu informieren und aufzuklären, eine deutliche Sprache gegen jeglichen Extremismus nach außen und innen sind Bedingung. Andererseits müssen auf Worte auch Taten folgen. Die Glaubensvertreterinnen, die sich bei unserem Projekt begegnen, zeichnen sich bereits durch Vorbildfunktion aus – in Wort und Tat.

 

3 - Ihr Projekt hat auch das Ziel, weibliche Reformkräfte in den Religionen zu stärken. Wie steht es um die Gleichberechtigung in den großen monotheistischen Religionen?

Frauen haben in den einzelnen monotheistischen Religionen eine unterschiedliche Stellung. In den reformierten Kirchen zum Beispiel sind Frauen gleichberechtigt, aber untervertreten, in der römisch-katholischen Glaubensgemeinschaft sind Frauen von allen religiösen Ämtern ausgeschlossen.

Es gibt überall Reformbedarf.

Bei unserem Projekt begegnen sich die weiblichen liberalen Kräfte der Glaubensgemeinschaften, die mutig und konsequent eine Veränderung innerhalb ihrer Religionen auf den Weg bringen. Sie alle lehnen das Interpretationsmonopol der Männer in ihren Religionen ab und legen ihre religiösen Quellen selbst aus. In „Gleich und gerecht“ sehen sie ein wichtiges Mittel zu einem friedlichen Miteinander.

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Teil 2: Interview „Stand der Dinge“

1 - Woran arbeiten Sie gerade?

Im Vordergrund steht zurzeit die Detailplanung des Programms, das wir in den letzten Wochen zunehmend gestrafft haben. Unser Ziel ist es, die gemeinsame Zeit möglichst effizient zu nutzen, gleichzeitig aber auch eine Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens und der Offenheit herzustellen. Die Strukturierung der Begegnung bedingt die laufende Kommunikation mit allen Involvierten inklusive der Briefings für die Vorbereitung der Teilnehmenden. Jede Teilnehmerin erhält beispielsweise vorab eine Zusammenstellung der wichtigsten gedanklichen Ansätze der anderen Teilnehmenden. Neben dem Inhaltlichen beschäftigt uns auch die Gesamtlogistik der Veranstaltung – die reicht von der Reisevorbereitung über die Raumplanung bis hin zu den gemeinsamen Mahlzeiten, die wir natürlich auch wiederum für einen lebendigen Austausch nutzen möchten.

 

2 - Wie organisieren Sie die Zusammenarbeit mit der Partnerorganisation im anderen Land?

Wir haben das große Glück, als Veranstalter bereits vor Ort zu sein, so dass die Zusammenarbeit mit den französischen Partnern sehr leicht ist. Neben der Hälfte der Teilnehmenden, die aus Frankreich stammen, arbeiten wir auch eng mit Dritten in der Nähe des Veranstaltungsortes zusammen, darunter ein Museum, eine Gedenkstätte und diverse Vereine. Hier geht es – ganz im Sinne eines kompakten und effizienten Programms – fast schon eher darum, die Veranstaltung nicht zu überfrachten, den deutsch-französischen Austausch im Fokus zu behalten und unsere inhaltlichen Ziele zu verfolgen.

 

3 - Wie machen Sie Ihr Projekt bekannt?

Das Projekt im Vorfeld bekannt zu machen und bereits während der Veranstaltung die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf uns zu lenken, geht leider aus Sicherheitsgründen nicht.

Mehrere unserer Teilnehmerinnen werden aufgrund ihrer Haltung in Religionsfragen und ihrer öffentlichen Äußerungen angefeindet und sogar bedroht.

Umso wichtiger ist es daher, dass wir den Verlauf und die Ergebnisse der Begegnung festhalten. Die Veranstaltung selbst wird von einem renommierten Dokumentarfilmer begleitet. Wir werden voraussichtlich bereits im Dezember zwei Premieren des Films feiern – eine in Deutschland und eine in Frankreich. Begleitet wird dieser von der Veröffentlichung eines gemeinsamen Manifests, das wir unter anderem auch über unsere eigenen Social Media Kanäle streuen. Selbstverständlich werden auch die Teilnehmerinnen und unsere Partnerorganisationen ihre Kommunikationskanäle nutzen, um die Ergebnisse der Veranstaltung zu verbreiten.

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Teil 3: Die Gesichter hinter dem Projekt

Lea Speith

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  • Alter: 19
     
  • Beruf: Studentin
     
  • Rolle im Projekt: Organisation & Fotodokumentation
     
  • Deswegen ist sie beim Projekt dabei: „Im Mai 2020 habe ich zum ersten Mal von der Idee in einer Online-Konferenz gehört und war sofort interessiert. Elke, eine der treibenden Kräfte des Projekts, hat mich damals eingeladen mitzumachen und so bin ich der Gruppe beigetreten.“
     
  • Das verbindet sie mit Frankreich/Deutschland: „Die Corona-Krise hat uns gezeigt, dass das System der globalisierten Welt langfristig nur funktionieren kann, wenn Länder, trotz Krisen, zusammenhalten. Die deutsch-französische Freundschaft ist hierfür ein wichtiger, zu unterstützender Vorreiter.“

 

Babette Schily

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  • Alter: 61
     
  • Beruf: Business- und Life-Coach
     
  • Rolle im Projekt: Moderationsteam
     
  • Deswegen ist sie beim Projekt dabei: „Friedliche Koexistenz ist ein Thema, für das ich sofort aufstehe und es unterstützen möchte. Das Werk des Chateau d‘Orion um die deutsch-französische Freundschaft zu fördern und zu nähren, spricht mich deswegen tiefgehend an.“
     
  • Das verbindet sie mit Frankreich/Deutschland: „Ich lebe seit 40 Jahren in Frankreich und fühle mich immer europäischer, trotzdem bleibt mein deutscher Ursprung wichtig für mich. Dadurch bin ich leidenschaftlich an den interkulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich interessiert.“

 

Elke Jeanrond-Premauer

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  • Alter: 68
     
  • Beruf: Journalistin & Geschäftsführerin Château d‘Orion
     
  • Rolle im Projekt: Initiatorin
     
  • Deswegen ist sie beim Projekt dabei: „Ganz nach dem Motto der Veranstaltung „Voneinander Wissen, miteinander wirken“ bin ich davon überzeugt, dass erst durch die persönliche Begegnung, den Austausch und den Diskurs Veränderungen angestoßen und die Weichen für ein friedliches Miteinander gestellt werden können.“
     
  • Das verbindet sie mit Frankreich: „Als Jugendliche durfte ich dank des 1963 geschlossenen Elysée-Vertrags Frankreich bereisen und kennenlernen. Die positiven Begegnungen von damals prägen mich bis heute. Chateau d’Orion in der Nouvelle Aquitaine wurde auf der Basis der deutsch-französischen Freundschaft gegründet und seit bald zwanzig Jahren lebe und arbeite ich dort jeweils für sechs Monate.“

Was ist ein Leuchtturmprojekt?

Leuchtturmprojekte zeichnen sich durch besondere Strahlkraft, Reichweite und Relevanz aus und werden von einem Gremium ausgewählt. In der Bewertung erreichen sie mindestens 90 Punkte: für jedes der 11 Kriterien können maximal 10 Punkte erreicht werden.

Der Bürgerfonds unterstützt in 4 Förderkategorien: von kleinen Finanzspritzen bis zu 5.000 €, über größere Beträge von bis zu 10.000 € bzw. 50.000 € bis hin zur Finanzierung von Leuchtturmprojekten mit über 50.000 €. Übernommen werden bis zu 80 % der Kosten für Reise, Aufenthalt, Organisation, Material, Fortbildungen und Honorare.

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