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140 Projekte zum Deutsch-Französischen Tag

20.01.2026

Wenn an den Grundfesten demokratischer Werte gerüttelt und die europäische Einigung auf die Probe gestellt wird, kommt es mehr denn je auf die Zivilgesellschaft an: 140 Aktionen zum Deutsch-Französischen Tag setzen sich für die grenzüberschreitende Verständigung auf kommunaler Ebene ein – und damit ein starkes Zeichen für Offenheit, Vielfalt und Zuversicht.

Der Deutsch-Französische Tag erinnert an die Unterzeichnung des Élysée-Vertrags am 22. Januar 1963 und feiert die Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich in all ihren Facetten.

Aus diesem Anlass veröffentlichte der Bürgerfonds eine Projektausschreibung und fördert in diesem Rahmen 140 Projekte mit knapp 400.000 €. Zwischen 16. und 31. Januar 2026 ermöglichen sie Austausch mit dem Nachbarland, beleuchten die deutsch-französischen Beziehungen, behandeln Themen aus deutsch-französischer Perspektive und machen Lust auf Frankreich. 

  • 80 % dieser Projekte werden von Vereinen getragen, 15 % von Kommunen.
  • 55 % aller Projekte findet im Rahmen einer Städtepartnerschaft statt.
  • Die Projekte werden genau zur Hälfte von Trägerorganisationen mit Sitz in Deutschland bzw. in Frankreich getragen. 
  • 62 % aller Projekte finden in Zusammenarbeit zwischen deutschen und französischen Organisationen statt.
  • 42 % der Projekte werden in ländlichen Räumen organisiert.

 

Einige Projekte rücken aktuelle Herausforderungen für die Demokratie ins Zentrum:

  • Was können wir Populismus und Extremismus in Deutschland und Frankreich entgegensetzen, fragt die Paneldiskussion des Vereins Démocratie ouverte in Paris (Île-de-France).
  • Die Städtepartnerschaft Aulnoye-Aymeries (Hauts-de-France) und Quedlinburg (Sachsen-Anhalt) feiert dieses Jahr 65-jähriges Jubiläum und spricht gleichzeitig über die Frage: Wie geht es mit der Zusammenarbeit weiter, sollten extreme Parteien auch auf lokaler Ebene weiter an Zuspruch gewinnen? Darüber hinaus sensibilisiert eine Ausstellung über die DDR für die Bedeutung der Demokratie.
  • In Saarbrücken (Saarland) und Sarreguemines (Grand Est) gehen deutsche und französische Kulturschaffende und Freiwillige auf „Sorgen Safari“: Mit Mikrofon und Kamera ausgestattet fragen sie Menschen an Orten des Alltagslebens (Friseursalon, Bar, Markt, …), was sie derzeit bewegt und wie sie die aktuellen gesellschaftlichen Krisen und Veränderungen erleben.
  • Ein Vereinshaus in Lorient (Bretagne) und die Deutsch-Französische Gesellschaft Ludwigshafen (Baden-Württemberg) rufen Jung und Alt bei Film- und Diskussionsabenden dazu auf, bei den kommenden Wahlen ihre Stimme abzugeben
  • Das Konzert PopAffaire bringt in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) nicht nur französische Nachwuchskünstler*innen auf die Bühne, sondern mit Mini-Panels auch das Thema bürgerschaftliches Engagement für die Demokratie.

 

Auch für gesellschaftliche Vielfalt setzen sich die Projekte ein: 

  • Während der inklusiven Projektwoche der Lebenshilfe in Hundisburg (Sachsen-Anhalt) und der Association FAIRE in Alès (Okzitanien) planen Menschen mit und ohne Behinderung die Weiterentwicklung ihres deutsch-französischen Austauschs.
  • Eine feministische Perspektive auf die grenzüberschreitende Zusammenarbeit wirft etwa eine Ausstellung zu den Frauenbewegungen in Deutschland und Frankreich im 19. Jahrhundert (Saint-Quentin, Hauts-de-France / Heidelberg, Baden-Württemberg); oder aber die Gründung eines deutsch-französischen Netzwerks für Frauen in der Musik, das mit Paneldiskussionen, Podcasts und Konzerten einhergeht und vom Verein Diffusion Prod in Tomblaine (Grand Est) angestoßen wird. 
  • Der Körper als Mittel für Ausdruck und Emanzipation oder als Objekt von Normen und Darstellungsformen: In Zwischen Dijon (Bourgogne-Franche-Comté) und Mainz (Rheinland-Pfalz) stellen Diskussionsrunden, Workshops und Performances diese Fragen aus LGBTQIA+-Perspektive ins Zentrum.

In vielen Fällen wird Kultur zur Brückenbauerin ins Nachbarland: 

  • Ausstellungen ermöglichen etwa eine Reise in die Vergangenheit (Adenauer/de Gaulle in Vermand, Hauts-de-France, Geschwister Scholl zwischen Hérouville-Saint-Clair, Normandie und Garbsen, Niedersachsen), einen Streifzug durch die Architektur der Partnerstadt (Hofgeismar, Hessen / Pont-Aven, Bretagne und Oberelsbach, Bayern / Arnac-Pompadour, Nouvelle-Aquitaine) oder die Suche nach enteigneter Kunst (Gustav Stresemann Institut Bonn, Nordrhein-Westfalen).
  • Über die Leinwand flimmert die deutsch-französische Freundschaft etwa in Eckental und Erlangen (Bayern), in Mengen (Baden-Württemberg), in Mainz, Ingelheim und Mayen (Rheinland-Pfalz) ebenso wie in Orvault (Pays de la Loire), Acigné (Bretagne), Marseille (Provence-Alpes-Côte-d’Azur) sowie in Okzitanien, wo 7 Gemeinden ein deutsch-französisches Mini-Doku-Festival organisieren.
  • Auch in Musik und Tanz wird das Nachbarland lebendig: Das Tangofestival Rhein-Ruhr lädt den französischen Verein Arbazo Tango aus Metz (Grand Est) zu einem ersten Kennenlernen nach Wuppertal (Nordrhein-Westfalen) ein, während in Toulouse (Occitanie) Hip-Hop getanzt wird. Landauf, landab finden außerdem Jazz-, Chanson-, Chor- oder Pop-Konzerte statt.

Eine Besonderheit sind in diesem Jahr die 23 deutsch-französischen Lesenächte, zu denen der Bürgerfonds gemeinsam mit dem Centre national du livre aufgerufen hatte.

  • Darunter finden sich außergewöhnliche Formate, wie etwa Silent Reading und Speed Reading (Velbert bzw. Bonn, Nordrhein-Westfalen) oder grenzüberschreitende Lesebusse zwischen Burkheim (Baden-Württemberg) und Kunheim (Grand Est).
  • In Ornbau (Bayern), Paris (Île-de-France) und in verschiedenen Dörfern des Départements Corrèze (Nouvelle-Aquitaine) leisten die Lesenächte leisten Erinnerungsarbeit mit einem Fokus auf dem SS-Massaker in Oradour, einem Roman über das Leben in der DDR sowie einer Briefkorrespondenz zwischen Stefan Zweig und Romain Rolland.
  • Aber auch aktuelle Herausforderungen, wie der gesellschaftliche Zusammenhalt und die Rolle von Drittorten im öffentlichen Raum, werden diskutiert, bei einer Paneldiskussion und einem Poetry-Slam zwischen Villiers-sur-Marne (Île-de-France) und Küsten (Niedersachsen).
  • Schließlich sind die Lesenächte auch Gelegenheit, Poesie und Kunst zu feiern: etwa bei einem Spaziergang auf den Spuren von Goethes „Dichtung und Wahrheit“ in der Grenzregion (Zweibrücken, Rheinland-Pfalz / Lunéville, Grand Est), im Austausch mit der deutsch-französischen Dichterin Odile Kennel in Berlin, oder in Krostitz (Sachsen), wo im Rahmen der Städtepartnerschaft mit Allègre (Auvergne-Rhône-Alpes) Lesenacht und Kunstworkshop verbunden werden.

Selbstverständlich steht die deutsch-französische Zusammenarbeit explizit im Zentrum einiger Projekte: 

  • Welche Rolle kommt dem deutsch-französischen Motor in Europa zu, im Hinblick auf Herausforderungen wie Klimawandel oder Künstliche Intelligenz, für den Aufbau einer europäischen Verteidigung? Diese Fragen stellt man sich etwa zwischen Paris (Île-de-France) und Ludwigsburg (Baden-Württemberg), in Potsdam (Brandenburg) oder in Rennes (Bretagne).
  • Andere Projekte richten den Blick auf die Rolle der Umweltbewegungen der 70er Jahre für die deutsch-französischen Beziehungen (Straßburg, Grand Est) oder auf die ost-deutsch-französische Freundschaft (Magdeburg, Sachsen-Anhalt).
  • Städte- und Regionalpartnerschaften feiern in ganz Deutschland und Frankreich ihre Freundschaft, die seit Jahrzehnten Bestand hat (z. B. Halle a. d. Saale, Sachsen-Anhalt / Grenoble, Auvergne-Rhône-Alpes), vor ein paar Monaten besiegelt wurde (Leinsweiler, Rheinland-Pfalz / Noyers, Bourgogne-Franche-Comté), oder gerade aufgebaut wird (Mecklenburg-Vorpommern / Bretagne).
  • Andernorts machen niedrigschwellige Angebote, wie etwa (hybride) Koch-Events (z. B. Chabanais, Nouvelle-Aquitaine / Giesen, Niedersachsen), eine Sprachanimation (Châlons-en-Champagne, Grand Est), oder Virtual Reality (Frankfurt, Hessen) Lust, die Beziehungen zum Nachbarland zu vertiefen.

Mehr über die Projekte erfahren Sie hier:

Zur Aktionskarte

Der Deutsch-Französische Tag findet jedes Jahr am 22. Januar statt – ein ganz besonderes Datum in der Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen:

  • Am 22. Januar 1963 unterzeichnen Konrad Adenauer und Charles de Gaulle den Élysée-Vertrag – die Geburtsurkunde des Deutsch-Französischen Jugendwerks.
  • 40 Jahre später, 2003, rufen Gerhard Schröder und Jacques Chirac den ersten Deutsch-Französischen Tag ins Leben.
  • Am 22. Januar 2019 bekräftigen Angela Merkel und Emmanuel Macron mit dem Vertrag von Aachen die enge Zusammenarbeit beider Länder und beschließen u. a. die Gründung des Deutsch-Französischen Bürgerfonds.