Meldung

Austausch, Ideen und Engagement für die Demokratie

20.11.2025

Vom 12. bis 14. November 2025 fand in Lille das Deutsch-Französische Bürgerforum für die Demokratie statt. Rund hundert engagierte Bürger*innen aus Vereinen, Stiftungen und Kommunen beider Länder tauschten sich über die Herausforderungen der Demokratie aus – in einer Zeit, die in ganz Europa geprägt ist von wachsendem Populismus und Misstrauen sowie von schwindender finanzieller Unterstützung. 

Ein Barcamp voller Ideen

Das Forum war als Barcamp organisiert – ein Format, bei dem die Teilnehmenden selbst die Themen setzen und rund 40 Workshops anboten.

Im Mittelpunkt standen Aspekte der resilienten Demokratie: Wie begegnen wir Fake News und Verschwörungstheorien in Zeiten von KI? Welche Rolle kann Bürgerbeteiligung spielen, wenn öffentliche Haushalte unter Druck stehen? Wie kann die Demokratie auch im digitalen Raum gestärkt werden? Passend dazu verabschiedeten die Teilnehmenden – nur wenige Tage vor dem EU-Gipfel zur digitalen Souveränität – eine gemeinsame Erklärung.

Andere Workshops rückten lokale und grenzüberschreitende Kooperationen ins Zentrum, wie z. B. Städtepartnerschaften, einen neuen deutsch-französischen Bürgerrat oder Initiativen der Sozial- und Solidarwirtschaft, die in beiden Ländern vernetzt arbeiten.

Auch soziale Gerechtigkeit und Teilhabe waren zentrale Themen, etwa bei Sessions zu Klassismus oder zur Rolle von Migrant*innen in Beteiligungsprozessen. Darüber hinaus wurde diskutiert, wie Kultur, Festivals und neue Formate politischer Bildung – Spiele, Fresken, Simulationen – Menschen erreichen können, deren demokratische Teilhabe gestärkt werden kann.

Weitere Sessions stellten demokratische Innovationen in den Mittelpunkt: u. a. eine mögliche deutsch-französische Demokratie-Allianz, eine europäische Erinnerungskultur oder eine effektivere Gewaltenteilung und unabhängige Medien.

Übersicht zu allen Bar Camp Sessions

Demokratie vor Ort erleben

Neben den Workshops erkundeten die Teilnehmenden auch demokratisches Engagement direkt in Lille.

Das Mouvement associatif Hauts-de-France gab Einblicke in die Vereinslandschaft der Region, stellte aktuelle Herausforderungen vor und diskutierte mit der Gruppe über den Zustand der Zivilgesellschaft in Frankreich.

Der Regionale Rat für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt der Hauts-de-France (CESER), das beratende Gremium der organisierten Zivilgesellschaft, erläuterte seine Rolle in politischen Entscheidungsprozessen und die Zusammenarbeit mit der Regionalpolitik.

An der Universität Lille empfing der Politsoziologe Thomas Chevallier die Gruppe zu einem Austausch über seine Forschung, insbesondere über die Auswirkungen von Förderlogiken auf die Handlungsfähigkeit von Vereinen.

Gekreuzter Blick auf Krisen und Handlungsspielräume 

Ein weiterer Höhepunkt war die interaktive Podiumsdiskussion. Nach den Grußworten von

  • Jérôme Pianezza, Beigeordneter der Stadt Lille,
  • François Decoster, Vizepräsident der Region Hauts-de-France,
  • Stephan Steinlein, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Frankreich,

ging es um die provokante These: „Die Demokratie ist tot – es lebe die Demokratie!“

Unter der Moderation von Léa Chamboncel, verantwortlich für das Plaidoyer bei Démocratie ouverte, diskutierten der Politikwissenschaftler Loïc Blondiaux, die Journalistin Romy Straßenburg und das Publikum über Ursachen demokratischer Krisen, über gesellschaftliche Spannungen und über konkrete Wege, demokratische Prozesse zu erneuern: mehr Beteiligung, eine effektive Gewaltenteilung, neue gemeinsame Narrative und unabhängige Medien.
 

Eine Ausschreibung für künftige Projekte

Das Bürgerforum endete mit dem Startschuss für eine neue Projektausschreibung, die deutsch-französische Demokratieinitiativen zwischen Februar und Dezember 2026 mit Fördermitteln (≤ 5.000 € bis 50.000 €) unterstützt.

Sowohl das Bürgerforum als auch dieser Projektaufruf stehen im Zeichen des thematischen Schwerpunkts des Bürgerfonds für 2025/26: „Demokratie lernen, stärken, leben“

Projektausschreibung entdecken
 

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Mehr erfahren

Online-Infostunde

Bei unserer Online-Sprechstunde erfahren Sie mehr über die Projektausschreibung und den Bürgerfonds und können sich Tipps und Inspiration von erfahrenen Projektträger*innen holen.

  • Mittwoch, 3. Dezember 2025, 12.30 - 13.30 Uhr (auf Deutsch)
  • Donnerstag, 4. Dezember 2025, 12.30 - 13.30 Uhr (auf Französisch)

Die Veranstaltung findet auf Zoom statt.

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