Vereinsarbeit digitalisieren - ein Gemeinschaftsprojekt

10.07.2020

Während der Coronakrise haben viele Vereine digitale Tools genutzt oder entdeckt. Die französische Organisation „HelloAsso“ hat sogenannte „Digitale Stützpunkte“ ins Leben gerufen: Sie helfen Vereinen dabei, das Beste aus der Digitalisierung für sich herauszuholen.

 

1 - Ihre Organisation „HelloAsso“ hat gemeinsam mit „Le Mouvement Associatif“ und „La Fonda“ das Programm PANA gegründet (frz. Abkürzung für „Stützpunkte für Digitales im Vereinswesen“ – Points d’Appui au Numérique Associatif). Können Sie uns erzählen, wie es zu dieser Initiative kam?

Es gibt mehrere Faktoren, die die Verwendung digitaler Tools in Vereinen bremsen – PANA ist unsere Antwort darauf.

Mehrere Studien zeigen, dass Vereine die verschiedenen Möglichkeiten relativ schlecht kennen und für sich nutzen können. Hinzu kommt: Die meisten kennen zwar Hilfsangebote zu verschiedensten Themen – aber die wenigsten wissen, an wen sie sich mit Digital-Fragen wenden können. Schließlich haben wir auch festgestellt, dass Vereine oft direkt von den digitalen Plattformen selbst beraten werden.

All diese Punkte führten uns – „HelloAsso“, „Le Mouvement Associatif“ und „La Fonda“ – zu dem Entschluss, das Programm PANA aufzubauen. Wir wollten ein Programm entwickeln, dass Digitalkompetenzen fördert, indem es Akteure aus dem Vereinswesen und Akteure aus digitalen Bereichen zusammenbringt.

 

2 - Wie funktionieren die PANA?

Mit PANA schulen wir zunächst diejenigen Akteure zum Thema „Digitalisierung“, die Vereine auch in anderen Fragen begleiten; so können sie auf Ressourcen und ein starkes Netzwerk zurückgreifen.

Dann sammeln wir auf einer Karte all jene Organisationen, die Vereine in ganz Frankreich bei dem Thema unterstützen können.

So können die Vereine leicht herausfinden, wer sie beim Thema Digitalisierung vor Ort begleiten kann.

 

3 - Welche Probleme oder Fragen tauchen immer wieder bei PANA-Workshops mit Vereinen auf?

Die Vereine, die an PANA-Workshops teilnehmen, stehen oft vor ganz unterschiedlichen Herausforderungen: je nachdem, welche Grundkenntnissen sie mitbringen. Auch Bedürfnisse und Prioritäten, interne Abläufe und das Angebot variieren stark von Verein zu Verein.

Die PANA-Organisationen beginnen daher immer zunächst mit einer „Digital-Diagnose“, um herauszufinden, welche Fortbildung genau passt. Daraus ergibt sich dann eine individuelle Begleitung für die Vereine.

 

4 - Die Coronakrise hat unter anderem die Vereinslandschaft ins Scheinwerferlicht gerückt: Bürgerschaftlich engagierte Menschen haben entscheidend dazu beigetragen, die Schwächsten zu stützen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu wahren. Gleichzeitig mussten Vereine – wie jede andere Organisation auch – plötzlich verstärkt auf digitale Tools umsteigen. Wie beurteilen Sie die letzten Monate und ihren Einfluss auf die digitale Transformation in Vereinen?

Durch die Coronakrise haben viele Menschen digitale Lösungen stärker genutzt als sonst: um in Kontakt zu bleiben, sich mit mehreren Menschen auszutauschen, Treffen zu organisieren, Projekte zu planen usw. Als Reaktion auf die Krise und ihre sozialen Folgen sind bei den PANA-Organisationen und zahlreichen Vereinen viele Initiativen entstanden, die maßgeblich von digitalen Möglichkeiten angetrieben wurden.

Manche Organisationen haben sich erstmal mit Web-Tools für ihre Projekte ausgestattet, andere haben ihre Nutzung digitaler Tools während der Ausgangsbeschränkungen vervielfacht. Und diejenigen, die allererste Schritte in Richtung Digitales gingen oder eher skeptisch waren, konnten zahlreiche Hilfsangebote nutzen: Online-Workshops, Blog-Artikel, Video-Tutorials…

Wir denken, dass die Coronakrise die Nutzung digitaler Tools im Vereinswesen definitiv verstärkt hat; sie hat gezeigt, dass Onlinelösungen für Vereinsarbeit einen echten Gewinn darstellen können. Zahlreiche engagierte Menschen haben diese Zwangspause genutzt, um sich mit neuen Tools vertraut zu machen, sich weiterzubilden oder Tipps und Best-Practice-Beispiele in ihrer Organisation zu teilen.

Momentan können Vereine es natürlich kaum erwarten, ihre Mitglieder wieder zu sehen und Präsenzveranstaltungen durchzuführen – aber wir sehen, dass diese Rückkehr zur Normalität mit digitalen Tools vorbereitet und gestaltet wird.

 

5 - Deutsch-französische Austausche werden zu großen Teilen von Vereinen getragen und leben von der Begegnung zwischen Bürger*innen beider Länder: ein Format, das es angesichts der Gesundheitskrise derzeit eher schwer hat. Welche digitalen Alternativen könnten Sie sich vorstellen?

Ich kann mir eine Vielzahl an digitalen Formaten für deutsch-französische Austausch vorstellen: Während der Ausgangsbeschränkungen sind Online-Workshops nur so aus dem Boden geschossen. Warum nicht auch deutsch-französische Momente per Webcam teilen? Jede*r kann sich von zu Hause dazu schalten, aber auch mehrere kleine Gruppen können sich miteinander verbinden. Dieses Format bietet den Vorteil, dass alle teilnehmen und sich aktiv beteiligen können.

Neben Online-Seminaren und Fortbildungen können natürlich auch Konferenzen oder Diskussionsrunden über Live-Stream organisiert werden – genau wie etwas lockerere Formate des Beisammenseins. Auch wenn sich derzeit vieles um Live-Streams dreht, sollten dabei aber auch andere Tools nicht vergessen werden, wie z. B. der Chat oder Foren.

Und während der Ausgangsbeschränkungen haben einige Kreative gezeigt, dass auch Spiele oder Kunstprojekte auf Entfernung möglich sind!

 

6 - Und allgemeiner gesprochen, welche Aktivitäten eines Vereins können noch von der Digitalisierung profitieren?

Vereinsaktivitäten können in vielen Punkten durch digitale Möglichkeiten ergänzt und bereichert werden. Aktuell scheint der Höhepunkt der Gesundheitskrise zwar hinter uns zu liegen, aber das Virus ist immer noch da. Es ist also nach wie vor kompliziert, Veranstaltungen zu organisieren. Ein Online-Ticketshop kann zum Beispiel nicht nur dazu genutzt werden, Menschen einzuladen, sondern auch die Anzahl der Teilnehmenden vor Ort zu begrenzen usw. So wird die Organisation erleichtert. Mit digitalen Tools wird Organisation nicht nur einfacher, sondern auch horizontaler und gemeinschaftlicher.

Auch was interne Abläufe betrifft, haben Vereine digitale Tools ausprobiert: etwa, um sich auf Entfernung zu organisieren, zusammenzuarbeiten, abzustimmen und Entscheidungen zu treffen. Auch, wenn viele dieser Formate anfangs neu waren, kann man ziemlich sicher davon ausgehen, dass einige davon zur Gewohnheit werden! Denn selbst, wenn es keine Gesundheitsvorschriften mehr bei Events oder der internen Zusammenarbeit zu beachten gilt: Digitale Tools können die Tätigkeiten von Vereinen nicht zwar nie ersetzen – aber ergänzen und bereichern.


Charlie Tronche ist Direktor für Kommunikation und Partnerschaften bei HelloAsso.

HelloAsso ist eine Online-Bezahl-Plattform für Vereine und Clubs. Sie ist sozial- und solidarwirtschaftlich organisiert und aufgrund eines alternativen Wirtschaftsmodells komplett kostenlos (weder Kosten noch Kommissionen fallen an). HelloAsso wurde 2009 gegründet und will Vereine dabei unterstützen, ihre Aktionen zeiteffizient zu organisieren.

Das Programm PANA (Points d'Appui au Numérique Associatif) bringt Akteure aus Web-Bereich und Vereinswesen zu sog. „Stützpunkte für Digitales im Vereinswesen“ zusammen: Ziel ist es, Vereine in ganz Frankreich bei der digitalen Transformation zu unterstützen.