Leuchtturmbericht: Festival „Perspectives“

16.07.2021

Die Reihe „Leuchtturmbericht“ stelt Hintergründe & Projektträger vor:

„Perspectives“ ist als einziges deutsch-französisches, grenzüberschreitendes Festival für Bühnenkunst seit über 40 Jahren ein Paradebeispiel für kulturelle Zusammenarbeit und fest zwischen Saarland und Moselle verankert: Tanz, Theater, Neuer Zirkus, Performance und Musik begeistern jährlich bis zu 30.000 Besucher*innen an über 10 Spielorten dies- und jenseits der Grenze.

 

Übersicht:


Projektsteckbrief

build Projektträger: Festival „Perspectives“
group Projektpartner: mehrere französische Partnerorganisationen
event Zeitraum: 20.-29. Mai & 29. Juli-1. August 2021
pin_drop Ort: Saarland & Moselle / online
euro Fördersumme: ca. 60.000 €

 

Teil 1: Interview „Stand der Dinge“

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Sylvie Hamard, Festivalleiterin © Gauthier Brunner

1 - Woran arbeiten Sie gerade?

Sylvie Hamard: Das Festival „Perspectives“ findet vom 20. bis 29. Mai 2021 statt. Wir erarbeiten derzeit unser Programm unter Berücksichtigung mehrerer Szenarien, damit wir uns bestmöglich an die sich verändernde Situation in der Pandemie anpassen können. Wir werden auf jeden Fall Online-Events anbieten, egal was passiert. Aber als Festival, das sich der Bühnenkunst widmet, können und wollen wir uns nicht damit zufrieden geben. Wenn es die Maßnahmen zulassen, werden wir Veranstaltungen im Freien anbieten. Und wenn die Theater geöffnet sind, auch in den Theatersälen.

 

2 - Wie organisieren Sie die Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen?

Sylvie Hamard: Wir stehen in engem Kontakt mit unseren französischen und deutschen Partnern. Die aktuelle Situation erfordert ein hohes Maß an Transparenz über den Stand der Planungen, neu auftretende Fragen und Herausforderungen. Nur so können wir gemeinsam Lösungen finden. Wir tauschen uns sogar noch mehr aus als sonst!

 

3 - Wie gewinnen Sie Besucher*innen?

Sylvie Hamard: Zahlreiche Programmentscheidungen können erst spät getroffen werden. Dies setzt ein erhebliches Maß an Kommunikation auf dem digitalen Weg voraus, um zum Beispiel in den Sozialen Netzwerken immer mehr Follower anzuwerben. Unsere Kolleginnen von der Öffentlichkeitsarbeit stehen mit vielen Menschen aus Vereinen, Institutionen und Schulen in Kontakt, um unsere Informationen an so viele Personen wie möglich weiterzugeben. Ihre Arbeit trägt dazu bei, die Neugier potenzieller Zuschauer*innen zu wecken, die das Festival noch nicht kennen.

 

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Teil 2: Interview „Hintergrund“

1 - Wie entstand die Idee zu einem deutsch-französischen Kulturfestival?

Sylvie Hamard: Das Festival „Perspectives“ wurde 1978 von Jochen Zoerner-Erb gegründet, er war damals Dramaturg am Saarländischen Staatstheater. Er fuhr regelmäßig nach Frankreich, um dort zahlreiche Festivals zu besuchen. Dabei entdeckte er neue Theater-Ästhetiken, aber ebenso das Straßentheater und die ersten Produktionen des Nouveau Cirque. Diese Stücke unterschieden sich von allem, was er bisher in Deutschland kennengelernt hatte. Zoerner-Erb hat das Festival erfunden, weil er seine Begeisterung teilen und seine Entdeckungen aus Frankreich einem deutschen Publikum bekanntmachen wollte.

 

2 - Wie wählen Sie die Künstler*innen aus?

Sylvie Hamard: Ich plane das Festivalprogramm, indem ich nach persönlichen Highlights Ausschau halte. Das ganze Jahr über besuchen meine Kollegin Martha Kaiser und ich sehr viele Stücke in Frankreich und Deutschland, aber auch in der Schweiz und in Belgien. Ein Theaterstück muss anrühren, eine Reaktion hervorrufen, zum Lachen oder Nachdenken bringen. Wenn uns ein Stück gefällt, haben wir den Wunsch, unsere Emotionen mit dem Festivalpublikum zu teilen. So kommt es dann zu einer Einladung zu „Perspectives“. Wir stellen uns auch viele Fragen zum Publikum und zur Sprache: Kann das jeweilige Stück übertitelt werden? Das ist in der Tat ein sehr wichtiges Kriterium für uns.

 

3 - (Wie) hat Ihnen persönlich die Kultur geholfen, durch die Coronakrise zu kommen?

Sylvie Hamard: Eigentlich war es genau umgekehrt: Das Fehlen der Kultur war sehr belastend. Die Videos, Livestreams und andere Aufnahmen von Stücken, die man im Internet oder Fernsehen sehen kann, waren für mich nicht zufriedenstellend. Musik und Lesen konnten ein wenig Trost bieten – zum Glück! Aber die Emotionen, die man in einem Theatersaal oder Konzert erleben kann, sind für mich unersetzlich. Die Zeit der Kulturknappheit hat lang genug gedauert und ich warte wie viele Zuschauer*innen ungeduldig auf die Wiedereröffnung der Säle.

 

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Teil 3: Die Gesichter hinter dem Projekt

Martha Kaiser

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© Festival Perspectives

  • Alter: 40
     
  • Beruf: Kuratorin, Kulturmanagerin
     
  • Rolle im Projekt: Stellvertretende Festivalleiterin, Projektkoordinatorin
     
  • Deswegen ist sie beim Projekt dabei: „Weil es einfach ein tolles, vielfältiges und grenzüberschreitendes Festival ist. Weil die Gastspiele einen zum Träumen bringen, es einen Austausch zwischen den Menschen und den Ländern gibt. Und weil ich das Genre Nouveau Cirque hier entdeckt habe.“
     
  • Das verbindet sie mit Frankreich: „Viele tolle Erinnerungen: Urlaube an Seen, am Meer, Au-Pair in Paris ... Das alles hat zu meiner großen Leidenschaft für das Land, die Sprache, die Kultur und die Menschen geführt. Aber auch Klischees: Croissants, Stinkekäse und guter Wein.“

 

Lola Wolff

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© Festival Perspectives

  • Alter: 24
     
  • Beruf: Absolventin des trinationalen Masters „Deutsch-französische Studien: Grenzüberschreitende Kommunikation und Kooperation“ (Frankreich – Deutschland – Luxemburg)
     
  • Rolle im Projekt: Assistentin Öffentlichkeitsarbeit und Vorverkauf
     
  • Deswegen ist sie beim Projekt dabei: „Weil ich für aktuelle Bühnenkunst und das Menschliche bin, weil ich grenzenlose Verzauberung und Emotionen ermöglichen möchte, ohne mich zwischen Frankreich und Deutschland zu entscheiden. Weil ich Öffnung und Bereicherung will, weil ich mich überraschen lassen will.“
     
  • Das verbindet sie mit Deutschland & Frankreich: „Mit einem Land bin ich durch Familie, Sprache, Aromen, Fahrten zwischen Paris und Brest verbunden. Mit dem anderen durch Reiselust, erste Selbständigkeit, Bremen und Nussecken. Mit beiden durch viele Begegnungen, schöne Erinnerungen und verschiedene Heimatorte.“

 

Oswald Bubel

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© Oliver Dietze

  • Alter: 71
     
  • Beruf: Rentner
     
  • Rolle im Projekt: Vorsitzender des Vorstandes der Stiftung ME Saar, Großsponsor des Festivals
     
  • Deswegen ist er beim Projekt dabei: „Beim Festival PERSPECTIVES bin ich ein immer wieder begeisterter Zuschauer und in meiner Funktion in der Stiftung ME Saar ein überzeugter Förderer. Die perfekte Organisation und Leitung des Festival PERSPECTIVES überzeugen uns nachhaltig. Wir engagieren uns beim Festival PERSPECTIVES, weil es seit mehr als 40 Jahren in immer neuer Form die Strömungen und Entwicklungen im zeitgenössischen Theater, dem Zirkus und der Kunst spiegelt und weil es das herausragende Beispiel für die deutsch-französische Gemeinschaft in der Grenzregion ist.“
     
  • Das verbindet er mit Frankreich: „Als Saarländer bin ich Frankreich sehr verbunden. Die Grenze ist hier nicht mehr zu spüren. Französische Kultur und Lebensart gehören im Saarland zum Leben einfach dazu.“

Was ist ein Leuchtturmprojekt?

Leuchtturmprojekte zeichnen sich durch besondere Strahlkraft, Reichweite und Relevanz aus und werden von einem Gremium ausgewählt. In der Bewertung erreichen sie mindestens 90 Punkte: für jedes der 11 Kriterien können maximal 10 Punkte erreicht werden.

Der Bürgerfonds unterstützt in 4 Förderkategorien: von kleinen Finanzspritzen bis zu 5.000 €, über größere Beträge von bis zu 10.000 € bzw. 50.000 € bis hin zur Finanzierung von Leuchtturmprojekten mit über 50.000 €. Übernommen werden bis zu 80 % der Kosten für Reise, Aufenthalt, Organisation, Material, Fortbildungen und Honorare.

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