Einfach mal machen!

09.10.2020

... der Rest kommt von allein: Diesen Tipp geben Chloé Cosson und Camille Sarazin allen, die deutsch-französisch aktiv werden möchten. Sie selbst haben mit Unterstützung des Bürgerfonds den zweisprachigen Podcast „Synchrone“ ins Leben gerufen und gehen darin verschiedenen Facetten des Umweltschutzes auf den Grund. Im Interview erzählen sie von den Hintergründen des Projekts – und teilen Berliner Insider-Tipps.

 

1 - Wie entstand die Idee zu Ihrem Podcast? Durch welche Etappen sind Sie bei der Umsetzung gegangen und was ist Ihr Ziel?

Camille: Chloé hat mich vor fast einem Jahr in Paris besucht und die Idee eines deutsch-französischen Podcasts kam uns bei einem Bier im Viertel Beauburg. Wir haben überlegt, welche Themen uns beide interessieren, und uns schließlich für „Umwelt“ entschieden – wie wir finden, ein Bereich, in dem beide Länder sich viel voneinander abschauen könnten.

Dann mussten wir thematische Schwerpunkte setzen, Interviews organisieren, uns Gedanken über die Übersetzung machen… Das hat ewig gedauert. Nach vielen Diskussionen haben wir entschieden, die gleiche Folge jeweils einmal auf Deutsch und einmal auf Französisch aufzunehmen. Auch wenn keine von uns beiden fließend Deutsch spricht, ist das eine gute Übung und zum Glück arbeiten wir mit einer super Übersetzerin zusammen!

Chloé: Das stimmt: Synchrone war von Anfang an als deutsch-französisches Projekt gedacht. Seit wir gestartet haben, treibt mich vor allem ein Motto an:

Einfach mal machen, und gleichzeitig dazulernen.

Ich erinnere mich noch gut an den Tag, an dem wir unsere erste Folge auf Distanz aufgenommen haben. Ich saß in meiner Küche in Halle und Camille in ihrem Wohnzimmer in Paris. Wir wussten nicht mal, wie man die Lautstärke regelt, den Ton abstimmt oder auf Deutsch in ein Mikro spricht… Aber wir haben es geschafft: Die erste Folge ist schon online!

In Sachen Kommunikation ist die interkulturelle Dimension eine ganz schöne Herausforderung, denn wir müssen alles in zwei Sprachen machen – aber das ist eine traumhafte Gelegenheit für uns, unsere Kreativität auszuleben, und noch dazu mit zwei tollen Illustratorinnen zusammenzuarbeiten. Ich hoffe, dass wir auch anderen jungen Menschen in Deutschland und Frankreich Mut und Lust machen, einfach mal zu loszulegen und keine Angst zu haben, wenn nicht gleich alles perfekt ist.

 

2 - Die erste Folge dreht sich um die Frage: Wie hat die Coronakrise unseren Bezug zur Umwelt verändert – auf individueller Ebene, aber auch in der Gesamtgesellschaft, in Wirtschaft und Politik? Welche Schlüsse ziehen Sie? Und denken Sie, dass diese Veränderungen von Dauer sind?

Camille: Eigentlich sollte unsere erste Folge von Festivals handeln… Diese Idee haben wir natürlich schnell über Bord geworfen, als der Coronavirus angefangen hat, alles auf den Kopf zu stellen. Es schien uns also nur logisch, die Gesundheitskrise in unserem Podcast anzusprechen. In der ersten Folge stellen wir fest, dass die Welt sich verändert hat, aber vor allem fragen wir: Welche Zukunft können wir entwerfen?

Mir persönlich fällt es schwer, jetzt schon Schlussfolgerungen zu ziehen.

Ich versuche, optimistisch zu sein und zu sagen: Ein gewisses Bewusstsein für nachhaltige Veränderung in der Gesellschaft wurde gesät.

Aber manchmal nimmt auch der Pessimismus Oberhand: Ich finde, dass die Politik immer noch nicht genug tut.

Chloé: Für die erste Folge hatten wir überhaupt keine Probleme, Menschen zu finden, die – mit oder ohne großes Umweltbewusstsein – erzählt haben, wie ihr Verhältnis zur Natur sich während der Ausgangsbeschränkungen verändert hat. Es war sehr interessant, dass viele ähnliche Erfahrungen gemacht haben – zum Beispiel auf einmal die Vielfalt des Vogelgezwitschers wahrzunehmen.

Mir geht es wie Camille, ich finde es schwierig, abzuschätzen, welche Veränderungen bleiben oder noch kommen werden. Aber ich denke, die Menschen haben jetzt verinnerlicht, dass unser Alltag von heute auf morgen von einem Naturphänomen erschüttert werden kann – in diesem Fall eben vom Coronavirus. Mir scheint, dass das eine fruchtbare Grundlage ist, um Umweltschutz wieder ganz nach vorne zu rücken.

 

3 - In den nächsten Folgen geht es um Wirtschaft, um unsere Ernährung oder um die Zero Waste Bewegung. Welche ist Ihre Lieblingsfolge und warum?

Camille: Ich liebe die Folge über nachhaltige Mode. Chloé hat ein super spannendes Interview mit einer Pariser Designerin geführt, die nach Berlin ausgewandert ist. Ich habe sehr viel über dieses Thema gelesen und es hat Spaß gemacht, daran zu arbeiten. Außerdem war die Folge für uns beide Gelegenheit, in unseren Berliner Erasmus-Erinnerungen zu schwelgen – also eine sehr nostalgische, aber auch sehr fröhliche Folge. Abgesehen davon haben wir aber auch andere Themen behandelt, die sonst eher im Hintergrund stehen, wie zum Beispiel der Mental Load von Hausfrauen oder etwa die Verantwortung der Internet-Riesen.

Chloé: Ich persönlich habe ein Faible für die Folge über die moralische Verantwortung der Frauen im Umweltschutz: ein sehr komplexes Thema über das wir glücklicherweise mit einer Forscherin aus Lüneburg sprechen konnten.

 

4 - Auf Ihrer Website schreiben Sie, dass Sie Ihre Leidenschaft für Berlin teilen. Wie haben Sie die deutsche Hauptstadt kennengelernt? Was macht, Ihrer Meinung nach, ihren Charme aus und welche Ecken empfehlen Sie denen, die die Stadt entdecken möchten?

Camille: Ich war 13 Jahre alt, als ich das erste Mal nach Berlin kam – mit meinen Eltern, weil ich deutschland- und geschichtsbegeistert war. Mit 20 habe ich beschlossen, dort mein Erasmusjahr zu verbringen und das war eine unvergessliche Zeit. Ich habe dort enge Freundschaften geknüpft und mich sehr weiterentwickelt. Natürlich ist Berlin vor allem als Partystadt bekannt, aber wenn ich dort hin zurückkehre, finde ich eine Art innere Ruhe, die ich in Paris nicht erreiche.

Mein Tipp: die coolen Viertel im Osten Berlins hinter sich lassen, eine Fahrradtour durch Charlottenburg machen und sich mit einem Buch auf eine Caféterrasse setzen.

Chloé: Für mich hat Berlin einen ganz besonderen Vibe. Ich habe die Stadt in meinem Erasmussemester kennengelernt. Ich sprach nicht ein Wort Deutsch, aber hatte das Gefühl: Hier ist alles möglich. Ich habe es geliebt, dort zu studieren und sogar Deutsch gelernt! Viele meiner persönlichen und beruflichen Wege haben nach dieser tollen Erfahrung eine andere Wendung genommen.

Mein Tipp: eine Fahrradtour durch Tempelhof, auf dem Hochbett im Mano Café einen Drink zu genießen und auf den Brücken in Neukölln den Sonnenuntergang zu beobachten …


Nach ihrem Literaturwissenschaftsstudium zwischen Lyon, Berlin und Paris entschied Chloé Cosson, nach Deutschland zu gehen, wo sie derzeit als freie Journalistin und Übersetzerin arbeitet. Als bekennender Audio-Fan schrieb sie während im praktischen Teil ihres Studiums Podcast-Kritiken für das französische Kulturmagazin Télérama.

Camille Sarazin hat ihr Politikstudium in Lille, Lyon und Berlin verbracht, bevor sie nach Paris zog und in die Welt des Journalismus eintauchte. Mehr als ein Jahr lang lernte sie bei der Sendung Medienwerkstatt des Radio France Internationale, wie man Radio macht. Heute arbeitet sie als freie Journalistin.