Interview
Leuchtturmbericht: Œcofeminothek

06.01.2022

Die Reihe „Leuchtturmbericht“ stelt Hintergründe & Projektträger vor:

Ein Team engagierter Frauen aus Deutschland und Frankreich hat mit Unterstützung des Bürgerfonds das „Positive Lab“ ins Leben gerufen: eine Plattform für Forschung, Events, Training, Lesezirkel, Co-Working im Zeichen von Ökologie und Feminismus. Ihr Ziel: die Welt neu denken und gemeinsam zu einem besseren Ort für alle machen.

 

Übersicht:


Projektsteckbrief

build Projektträger: Association Positive Lab
group Projektpartner: Meeet
event Zeitraum: 1. April - 31. Dezember 2021
pin_drop Ort: Berlin (Berlin)
euro Fördersumme: 79.900 €

 

Teil 1: Interview „Hintergrund“

arrow_right„Hoffnung schöpfen und aktiv werden dank Ökofeminismus“ (8. März 2021)

***

Teil 2: Die Gesichter hinter dem Projekt

Hélène Coron

helene-coron
  • Alter: 29
     
  • Beruf: Social Entrepreneur
     
  • Rolle im Projekt: „Ich organisiere und moderiere kleine Lesezirkel, in denen wir uns über Bücher und unsere Gefühle austauschen. Ich schreibe auch Zusammenfassungen aller Bücher aus der Œcoféminothek, um ihr wertvolles Wissen zu teilen und anderen Lust aufs Lesen zu machen. Außerdem schreibe ich ökologische bzw. ökofeministische Gedichte, die ich bei Veranstaltungen vortrage. Ich moderiere Workshops zu kreativem und kollaborativem Schreiben zu verschiedenen Aspekten des Ökofeminismus. Für den Verein Positive Lab Berlin habe ich auch ein Permakultur-Garten-Projekt für Frauen auf die Beine gestellt, zusammen mit dem Gemeinschaftsgarten des Centre Français (Rote Beete Garten) und dem Frauenzentrum Susi: Die Idee ist es, Frauen unterschiedlicher Kulturen oder Herkunft durch nachhaltige Arbeit im Garten zusammenzubringen.“
     
  • Deswegen ist sie beim Projekt dabei: „Dank der Œcoféminothek erfahre ich mehr über Themen, die mir wichtig sind, kann mich mit anderen engagierten Frauen austauschen und gemeinsam nach konkreten Lösungen für die Zukunft suchen. Ich schätze mich sehr glücklich, weil ich durch das Projekt auch sehr inspirierende Frauen treffen konnte: weibliche Vorbilder haben mit immer gefehlt und die Œcoféminothek hat mir geholfen, welche zu finden. Diese Frauen und die Werke, die sie vorstellen, sind echte Booster für Engagement und Kreativität! Zum Beispiel ist unser Frauen-Garten-Projekt inspiriert von Vandana Shiva: Sie schlägt vor, dass wir das Sähen wieder selbst in die Hand nehmen, um unabhängiger von den Riesenfirmen der Landwirtschaft zu werden.“
     
  • Das verbindet sie mit Frankreich/Deutschland: „Das Engagement für Feminismus und für Ökologie gestaltet sich in Deutschland anders als in Frankreich – diese doppelte Herangehensweise bereichert uns sehr. Außerdem profitieren wir – französische Expats in Berlin – sehr davon, dass die beiden Länder so eng verbunden sind: so verfügen wir über die nötige Legitimität und die Infrastrukturen. Wir arbeiten zum Beispiel mit dem Institut Français zusammen, aber auch mit dem Centre Français de Berlin und mit dem Centre Pensées, einem französischsprachigen Zentrum für Psychotherapie in Berlin.“

 

Élisa Gratias

elisa-gratias

© Sasha Ilushina

  • Alter: 38
     
  • Beruf: Freiberufliche Redakteurin und Übersetzerin
     
  • Rolle im Projekt: Buchpräsentationen, Dolmetschen, Buchvorschläge, Co-Moderation bei Veranstaltungen, Co-Moderation des Podcasts
     
  • Deswegen ist sie beim Projekt dabei: „Ich möchte meine Fähigkeiten nutzen, um Dinge, die ich kritisch sehe, zu verbessern. Als ich vom Ökofeminismus und all der genialen Literatur dazu hörte, die Axelle und Emilie in einem Lesezirkel besprechen wollten, musste ich dabei sein.“
     
  • Das verbindet sie mit Frankreich/Deutschland: „Ich bin in der ehemaligen DDR geboren und hatte immer Fernweh. Frankreich reizte mich besonders, ohne dass ich wusste warum. Also zog ich für ein Erasmusjahr dorthin und blieb letztendlich neun Jahre.“

 

Anja Bauer

anja-bauer
  • Alter: 31
     
  • Beruf: Teamleitung bei der Meeet AG - Räume für Begegnung
     
  • Rolle im Projekt: Gastgeberin und technische Umsetzung der Veranstaltungsreihe Œcoféminothek des Positive Lab
     
  • Deswegen ist sie beim Projekt dabei: „Empowerment, Engagement, Awareness, Connection, Art, Woman, Global Sustainability and woman power – hier nur ein paar Schlagworte, die ich mit dem Projekt Œcofeminothek verbinde und genau deshalb als so außerordentlich unterstützenswert befinde.“
     
  • Das verbindet sie mit Frankreich: „Kultureller Austausch über Ländergrenzen hinweg ist durch Projekte wie das Positive Lab möglich, die zu technischen Hilfsmitteln greifen und somit Menschen zusammenbringen, die sich sonst nicht begegnet wären. Ich freue mich sehr über diesen Austausch und interkulturellen Kontext - Vielfalt belebt unsere Gesellschaft und die Vernetzung schafft neue kreative Räume.“

***

Teil 3: Interview „Stand der Dinge“

1 - Woran arbeiten Sie gerade?

Emilie Langlade: In den letzten 8 Monaten haben wir 5 hybride, inspirierende deutsch-französische Veranstaltungen zu ökofeministischer Literatur und Aktivismus organisiert; mehr als 1.600 Personen haben wir damit erreicht, insbesondere aus Berlin und Marseille! Bei diesen Events haben wir uns über ökofeministische Modelle und unsere Sichtweisen ausgetauscht. Unser Ziel ist es, neue gemeinschaftliche Initiativen zwischen Organisationen der beiden Städte für 2022 anzustoßen.

Aktuell arbeiten wir an einem kreativen Heft namens „Flow’her power“, das wir online und bei Workshops verbreiten möchten. Es soll dabei helfen, nachhaltige und erstrebenswerte Geschäftsmodelle aufzusetzen. Außerdem sind wir dabei, 4 Folgen zu unserem Podcast „Ökofeministische Träume“ zu produzieren, die unser deutsch-französisches Abenteuer und unsere Aktivitäten in 2021 nachzeichnen. Wir wollen eine Klangreise schaffen, die Optimismus verbreitet und Lust macht, an einer besseren Welt zu arbeiten.

 

2 - Wie organisieren Sie die Zusammenarbeit mit der Partnerorganisation

Emilie Langlade: Mit unserer Partnerorganisation Meeet arbeiten wir per Telefon, Mails, Videokonferenz und Arbeitstreffen zusammen; außerdem gibt es immer eine Vor- und Nachbereitung zu unseren Veranstaltungen. Wir kooperieren sehr eng und sprechen viel und oft miteinander. Wir schicken uns unsere Ideen und überlegen dann gemeinsam, wie wir sie umsetzen und verbreiten können.

Manchmal trinken wir auch in Berlin zusammen eine Tasse Tee und erzählen uns, was uns gerade inspiriert; wir sprechen darüber, wie wir uns verbessern können; und wir erstellen die Inhalte und die Stimmung, die wir bei unseren Veranstaltungen rüberbringen möchten. Das alles läuft auf Deutsch.

Anja von unserer Partnerorganisation Meeet kümmert sich um alles und unser Projekt war für Meeet die Gelegenheit, eine neue Art von Veranstaltungen und von Kooperationen auszuprobieren. Unsere beiden Organisationen verbindet ein Entdeckergeist, wir probieren gerne Neues aus und gehen dafür auch mal ein Risiko ein! Besonders dankbar sind wir Frank Spandl, dem Gründer von Meeet, der die Idee einer kreativen deutsch-französischen Zusammenarbeit zu diesem Thema sofort befürwortet hat. Seine Unterstützung war enorm wichtig, weil er Anja und unserem Team freie Hand gelassen und uns gleichzeitig bei der Logistik unterstützt hat.

 

3 - Wie gewinnen Sie Teilnehmer*innen?

Emilie Langlade: Wir bespielen unsere Facebook-Gruppe Œcoféminothek, die heute 286 Mitglieder aus Deutschland und Frankreich zählt, aber auch Menschen aus Belgien und Spanien, die das Projekt aufmerksam verfolgen. Wir sind außerdem sichtbar auf Instagram und Facebook sowie auf Linkedin (über unsere privaten Profile), und wir netzwerken mit anderen Vereinen, Stiftungen, Kulturzentren und Firmen in Berlin und Marseille, die unsere Werte teilen. Unsere Veranstaltungen kündigen wir in unserem Newsletter an, aber auch in befreundeten Newslettern in Berlin. Durch unsere Kooperationen mit Berliner Orten, an denen wir unsere 5 Veranstaltungen durchgeführt haben, konnten wir auch deren Publikum erreichen; besonders mit dem Interkulturellen Zentrum SUSI hat das gut geklappt – und jetzt entwickeln wir bereits ein Projekt für 2022!


Was ist ein Leuchtturmprojekt?

Leuchtturmprojekte zeichnen sich durch besondere Strahlkraft, Reichweite und Relevanz aus und werden von einem Gremium ausgewählt. In der Bewertung erreichen sie mindestens 90 Punkte: für jedes der 11 Kriterien können maximal 10 Punkte erreicht werden.

Der Bürgerfonds unterstützt in 4 Förderkategorien: von kleinen Finanzspritzen bis zu 5.000 €, über größere Beträge von bis zu 10.000 € bzw. 50.000 € bis hin zur Finanzierung von Leuchtturmprojekten mit über 50.000 €. Übernommen werden bis zu 80 % der Kosten für Reise, Aufenthalt, Organisation, Material, Fortbildungen und Honorare.

Klicken Sie hier, um mehr über die Leuchtturmprojekte zu erfahren