„Sport kennt keine Grenzen und hat seine eigene Sprache!“

12.02.2021

Und deswegen ist Sport ein idealer Einstieg in die deutsch-französischen Beziehungen, sagt Jonathan Spindler – und erklärt auch gleich, wie’s geht. Schließlich weiß er bestens, wovon er spricht: Denn wenn er sich gerade mal nicht beruflich für den Austausch zwischen Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Bourgogne-Franche-Comté einsetzt, dann schwingt sich der begeisterte Radfahrer selbst in den Sattel.

Dieser Text ist zuerst in den Europa-Nachrichten des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement erschienen.

 

Seit Jahren engagiere ich mich, zunächst ehrenamtlich und dann auch beruflich, für Sportprojekte zwischen Deutschland und Frankreich. Sei es bei meinen beiden Partner-Radsportvereinen in Erstein (Elsass) und in Mainz oder im Rahmen von Jugend-Begegnungen mit dem Landessportbund Rheinland-Pfalz, ich stelle immer wieder fest: Sport kennt keine Grenzen und Sprachbarrieren spielen dabei absolut keine Rolle. Er kann generationenübergreifend ausgeführt werden und bietet hervorragende Gelegenheiten, um Europa und internationale Freundschaften hautnah zu erleben. Darüber hinaus bringt er Menschen verschiedener Herkünfte zusammen und schafft so Gemeinsamkeiten.

Europa

Eine Quelle von Zusammenhalt und Frieden

Der Sport spielt aus diesen Gründen auch eine zentrale Rolle in der deutsch-französischen Freundschaft. Er ermöglicht die Integration, das interkulturelle Lernen, den Sprachaustausch und ist eine Quelle von Zusammenhalt und Frieden. Das sind genau die Werte der deutsch-französischen Freundschaft.

Vor allem ist der Sport bürgernah, also genau das, was die deutsch-französische Freundschaft benötigt. Wir müssen zeigen, dass diese Freundschaft nicht nur in Berlin oder Paris verkörpert wird, sondern vor allem in den Initiativen und Projekten der Zivilgesellschaft.

Vor diesem Hintergrund wurde der Bürgerfonds gegründet. Für junge Menschen bis 30 Jahre steht seit 1963 und seit dem Élysée-Vertrag das Deutsch-Französische Jugendwerk zur Verfügung, um z. B. bilaterale Sportprojekte zu entwickeln. Mit dem Aachener Vertrag und der Gründung des Deutsch-Französischen Bürgerfonds haben jetzt nicht nur junge Menschen, sondern alle Vereine und Verbände die Möglichkeit, auch intergenerationelle Projekte zu entwickeln. Dieser Aspekt spielt auch im Sportbereich eine zentrale Rolle. Durch Sport lässt sich der Dialog zwischen den Generationen sehr gut pflegen.

Gruppenfoto

Engagement, Kreativität und Motivation

Der Bürgerfonds übernimmt bis zu 80% der Kosten eines deutsch-französischen Projektes. Eine Förderung des Bürgerfonds kann auch mit anderen Finanzierungsquellen kombiniert werden, wie z. B. Förderungen im Rahmen des Programms Erasmus+ oder regionale oder lokale Förderungen. Nur die Förderungen des DFJW sind nicht kompatibel, da sich die Zielgruppen unterscheiden: ausschließlich junge Menschen bis 30 Jahre erhalten eine Unterstützung des DFJW, wohingegen der Bürgerfonds Personen über 30 bzw. generationsübergreifende Projekte fördert.

Am wichtigsten ist, dass das Projekt einen deutsch-französischen Charakter hat und von Bürger*innen durchgeführt wird. Der Verein muss nicht unbedingt einen Partner in Frankreich haben. Das Projekt kann eine Präsenz-Veranstaltung sein oder digital stattfinden und die Antragsteller müssen keine Erfahrungen bei deutsch-französischen Projekten aufweisen.

Eigentlich braucht man in erster Linie Lust auf Engagement, Kreativität und Motivation!

Pause

Sport als Einstieg in die deutsch-französischen Beziehungen

Als Einstieg in die Welt der deutsch-französischen Projekte gibt es eigentlich nichts Niedrigschwelligeres als eine Sport-Veranstaltung. Die Planung und Organisation sind selbstverständlich immer eine kleine Herausforderung, aber die Durchführung des Projektes kann ganz einfach sein und klappt meistens wie von selbst. Sport hat seine eigene Sprache, die jede*r sprechen kann. Falls die Teilnehmenden am Start des Projektes doch zu schüchtern sind, kann die Methode der Sprachanimation viel ermöglichen. Diese wurde vom DFJW entwickelt und theorisiert. Zertifizierte Sprachanimateur*innen bieten auch professionelle Workshops und Ice-Breakers für Sportveranstaltungen an. Die Honorarkosten dieser Referent*innen können ebenfalls vom Deutsch-Französischen Bürgerfonds getragen werden.

Der Sport lebt von echten Begegnungen und Präsenz-Veranstaltungen, aber in der aktuellen Situation und trotzt Kontakt-Beschränkungen ist es möglich, attraktive deutsch-französische Online-Projekte rund um den Sport zu organisieren. Ende November trafen sich zum Beispiel online zahlreiche Vertreter*innen aller Altersstufen aus verschiedenen Sportvereinen und -verbänden, die in den Partnerregionen Rheinland-Pfalz und Burgund-Franche-Comté aktiv sind, um über die Zukunft des ehrenamtlichen Engagements im Sport zu diskutieren. Die Kosten der professionellen Moderation und der Verpflegung, die an alle Teilnehmenden als Packet gesendet wurden, wurden zu 80 % vom Bürgerfonds übernommen.

Um Ihre Ideen als Projekte umzusetzen, stehen die 14 Regionalen Berater*innen in ganz Frankreich und Deutschland zur Verfügung!


Jonathan Spindler ist Regionaler Berater für den Deutsch-Französischen Bürgerfonds in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Burgund-Franche-Comté. Er ist Geschäftsführer des Partnerschaftsverbandes Rheinland-Pfalz/4er-Netzwerk e.V., Rennradfahrer sowie Gründer der Vereinspartnerschaft „Association Cycliste Erstein“ und „Vorwärts Orient Mainz“.